Newsletter der Schienen-Control 02/2025
Save the Date – Symposium der Schienen-Control 2025 – Jetzt anmelden!
Am Montag, den 24. November 2025, lädt die Schienen-Control neuerlich zum jährlichen Symposium in die Urania Wien. Die Veranstaltung bietet einen zentralen Treffpunkt für die Eisenbahnbranche. Diskutiert werden aktuelle rechtliche, regulatorische und nicht zuletzt praktische Fragen rund um den Personen- und Güterverkehr.
Die Veranstaltung bietet nicht nur hochkarätige Vorträge, sondern auch die Möglichkeit, sich mit Entscheidungsträger:innen und Praktiker:innen der Branche zu vernetzen.
Ein Auszug aus dem Programm:
Eröffnungsvortrag: Mehrwert einer effizienten Regulierung für das System Bahn (Maria-Theresia Röhsler, Geschäftsführerin, Schienen-Control GmbH)
Hemmnisse beim Markteintritt nach Österreich (Patrick Kröll, Geschäftsführer, Silverstar Railways GmbH)
Auswirkungen neuer Technologien auf „kleinere“ Unternehmen (Andreas Mandl, Vorsitzender, Fachverband der Schienenbahnen)
Rechtlicher Rahmen und Beispiele internationaler Regulierung (Prof. Dr. Urs Kramer, Universität Passau)
Kapazitätsverordnung NEU – Regulierung auf europäischer Ebene (Elisabeth Hochhold, Leiterin der Rechtsabteilung, Rail Net Europe)
Im Anschluss laden wir zum informellen Ausklang bei Snacks und Getränken ein – die perfekte Gelegenheit für persönlichen Austausch.
Sichern Sie sich jetzt Ihren Platz und melden Sie sich hier an: ANMELDUNG SYMPOSIUM
Wir freuen uns, Sie beim Symposium begrüßen zu dürfen!
Jahresbericht der Schienen-Control für 2024 veröffentlicht
Schienen-Control Jahresbericht 2024 veröffentlicht: Mehr Wettbewerb – aber kaum Wachstum im Schienengüterverkehr – Personenverkehr auf Rekordhoch.
Der im Juli veröffentlichte Jahresbericht 2024 der Schienen-Control zeigt Rekordwerte im Schienenpersonenverkehr, aber ein ambivalentes Bild des Schienengüterverkehrs in Österreich: während sich der Güterverkehrsmarkt zunehmend dynamisch entwickelt und reger Wettbewerb herrscht, stagniert das Wachstum des Sektors nahezu. Gründe dafür sind die konjunkturelle Lage aber auch internationale Baustellen und Probleme bei der Beschaffung von Personal und Rollmaterial.
Rekordwerte im Personenverkehr
Die Fahrgastentwicklung wurde maßgeblich durch Angebotsausweitungen, Taktverdichtungen und neue Verbindungen begünstigt. Besonders hervorzuheben sind die Inbetriebnahme des Kärntner Abschnitts der Koralmbahn sowie zusätzliche Angebote im Raum Wien. Auch im überregionalen Fernverkehr kam es zu einem Ausbau, etwa durch neue Verbindungen zwischen Linz und Graz, Wien und Villach sowie durch zusätzliche Nachtzugverbindungen und verlängerte WESTbahn-Relationen. Insgesamt wurde damit ein Rekordniveau von 138,5 Millionen Personenzugkilometern erreicht. Die Fahrgastzahlen stiegen im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozent auf 348,7 Millionen. Die insgesamt zurückgelegten Personenkilometer beliefen sich auf 15 Milliarden.
Private Güterbahnen holen auf – Rail Cargo Austria verliert leicht an Boden
Marktführer im Güterverkehr blieb 2024 die Rail Cargo Austria mit einem Anteil von 57,3 Prozent an den Nettotonnenkilometern – ein Rückgang um 0,3 Prozentpunkte. Auf Rang zwei folgten private Bahnunternehmen (u.a. Ecco-Rail, Lokomotion, CargoServ) mit einem Gesamtanteil von 27,6 Prozent. Auf den Haupttransitachsen (Westachse, Brenner) dominierten die privaten Bahnen bereits den Schienengüterverkehr mit Marktanteilen von um die 60 Prozent.
Mehr Konkurrenz, aber keine Leistungssteigerung
„Mehr Kuchenstücke – aber der Kuchen bleibt gleich groß“, bringt Maria-Theresia Röhsler, Geschäftsführerin der Schienen-Control, die Lage auf den Punkt. „Trotz steigender Anbieterzahl stagniert die Leistung des Schienengüterverkehrs seit Jahren. Zwar konnte im Jahr 2024 ein leichtes Plus bei den Netto- und Bruttotonnenkilometern verzeichnet werden, doch die konjunkturelle Lage, die Abnahme der Nachfrage an bahnaffinen Gütern sowie Einschränkungen durch Hochwasser und weiträumige, baustellenbedingte Umleitungen haben dem Sektor klare Grenzen gesetzt“. Zudem wird das Wachstum des Personenverkehrs, in einem gemischten Netz wie in Österreich, irgendwann zu einem Kapazitätsthema auch beim Güterverkehr.
Flexible Trassen dringend nötig
Fast ein Drittel der gesamten Verkehrsleistung wurde 2024 über kurzfristig bestellte Ad-hoc-Trassen erbracht – bei privaten Bahnen sogar über 40 Prozent. Das zeigt: Der Bedarf an flexiblen, aber verlässlichen Trassen steigt. „Der Schienengüterverkehr braucht adäquate Trassen und eine europäische Baustellenkoordination“, argumentiert Röhsler.
Strukturelle Herausforderungen gefährden den Einzelwagenverkehr
Der wirtschaftliche Druck auf das Marktsegment der Einzelwagenverkehre steigt weiter – trotz Förderungen. Diese Form des Gütertransports ist zentral für Regionen abseits großer Terminals, aber kaum mehr wirtschaftlich tragfähig. Hinzu kommen Personal- und Materialengpässe sowie die Schließung diverser Anschlussbahnen, die die Reaktionsfähigkeit der Branche zunehmend einschränken, insbesondere im internationalen Verkehr.
Der gesamte Jahresbericht ist unter: https://www.schienencontrol.gv.at/de/publikationen.html abrufbar und enthält weiterführende Informationen zum Personen- und Güterverkehrsmarkt, der Preisentwicklung sowie den Verfahren der Schienen-Control Kommission.
Qualitative Markterhebung für 2024 zeigt Top-Trends der Branche
Der österreichische Schienenverkehrsmarkt punktet bei Schulungseinrichtungen, Personal und Fahrplanqualität – Engpässe bei den Trassen aufgrund von Baustellen und Umleitungen stellen die Branche aber vor Herausforderungen.
Der aktuelle Bericht der Schienen-Control zur qualitativen Marktbeurteilung 2024 zeigt ein deutliches Bild: Während Österreich im europäischen Vergleich in vielen Bereichen des Schienenverkehrs weiterhin Spitzenwerte erreicht, verstärken sich gleichzeitig zentrale Herausforderungen für den Wettbewerb. Der Bericht basiert auf der systematischen Befragung der in Österreich tätigen Eisenbahnunternehmen im Schulnotensystem– mit einer Rücklaufquote von knapp 80 Prozent.
Österreich besser als der EU-Schnitt – insbesondere bei Infrastrukturqualität
Die Auswertung der Schienen-Control zeigt, dass in nahezu allen Kategorien die inländischen Rahmenbedingungen besser abschneiden als jene im europäischen Ausland – besonders deutlich zeigt sich dies beim Netzzustand, bei Schulungseinrichtungen sowie der Fahrplanqualität. So erreichen etwa Schulungseinrichtungen die Bestnote von 2,0. Auch der Triebfahrzeugführerschein (2,04) und die Sprachkompetenz des Personals (2,06) werden als stabil positive Faktoren genannt.
Wettbewerb mit der Straße und zunehmende technische Komplexität branchenweit als größte Herausforderungen
Als größtes Hemmnis für Neuverkehre nennen die Unternehmen erneut die Konkurrenz durch andere Verkehrsträger, allen voran die Straße. Dieser Faktor wurde mit 3,82 (von 5) schlechter bewertet als je zuvor und stellt aus Sicht der Schienen-Control eine Folge strukturell verzerrter Rahmenbedingungen wie niedrigeren Personalkosten, geringeren Steuern und fehlender Bepreisung externer Kosten bei LKW- und Flugverkehr dar.
Schlecht bewertet wurden auch Faktoren rund um technische Vorgaben und neue Technologien:
- Die Sicherungstechnik (ETCS) verschlechterte sich stark (auf 3,14) – insbesondere wegen fehlender Kompatibilität und hoher Kosten bei grenzüberschreitenden Verkehren.
- Landesspezifische Ausnahmen bei EU-Technikvorgaben (TSI) werden mit 3,09 kritisiert – sie verhindern laut Befragten echte Interoperabilität und führen zu unnötigem Mehraufwand.
Rollmaterial und Energie: Kosten steigen – Verfügbarkeit sinkt
Die Verfügbarkeit und Kosten zentraler Betriebsmittel verschlechtern sich nach Aussagen der Branche weiter. Triebfahrzeuge (3,08) und Energie (2,87) stehen exemplarisch für eine angespannte Marktsituation. Gleichzeitig kritisieren die Unternehmen die Trassengebühren – sowohl deren Struktur (2,52) als auch die konkrete Höhe im Güterverkehr (2,84)
Über die Erhebung
„Mit dieser Marktbeurteilung bieten wir seit fast 20 Jahren eine fundierte, systematisch vergleichbare Grundlage zur Lage des Schienenverkehrs in Österreich – und ermöglichen damit gezielte Verbesserungen und einen funktionierenden Wettbewerb“, so Maria-Theresia Röhsler, Geschäftsführerin der Schienen-Control GmbH.
Die Bewertung dient nicht nur als Frühwarnsystem für politische Entscheidungsträger, sondern unterstützt auch Marktteilnehmer bei Investitionsentscheidungen und zeigt, wohin die Weichen neu gestellt werden müssen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten bzw. auszubauen.
Seit 2006 erhebt die Schienen-Control jährlich die subjektive Einschätzung der Eisenbahnunternehmen zu insgesamt 41 Einflussfaktoren auf den Marktzugang und die Entwicklung von Neuverkehren. Die Befragung bietet ein differenziertes Lagebild und bietet tiefe Einblicke in die Rahmenbedingungen der Branche. Der Bericht basiert auf der systematischen Befragung der in Österreich tätigen Eisenbahnunternehmen – aktuell mit einer Rücklaufquote von knapp 80 Prozent.
Überarbeitung von Artikel 12 der Verordnung (EU) 2021/782
Die Europäische Kommission führt derzeit eine gezielte Überarbeitung der Verordnung (EU) 2021/782 über die Rechte und Pflichten der Fahrgäste im Eisenbahnverkehr durch. Im Mittelpunkt der laufenden Konsultation steht die Regelung zu Durchgangsfahrkarten (Artikel 12), die für den grenzüberschreitenden Bahnverkehr von zentraler Bedeutung ist.
In der Stellungnahme der Agentur für Passagier- und Fahrgastrechte haben wir hervorgehoben, dass die bislang fehlenden Fahrgastrechte im Zusammenhang mit Durchgangsfahrkarten ein wesentliches Hemmnis für die Attraktivität des Bahnverkehrs darstellen. Während Flug- und Busverbindungen vielfach durchgehende Buchungen mit einheitlichen Rechten ermöglichen, bleiben Bahnreisende häufig auf fragmentierte Angebote ohne klar geregelte Rechte beschränkt. Zahlreiche Beschwerden von Fahrgästen bei der Schlichtungsstelle der Agentur für Passagier- und Fahrgastrechte belegen diese Problematik.
Artikel 12 in seiner geltenden Fassung verpflichtet Eisenbahnunternehmen zwar, zumutbare Anstrengungen zur Bereitstellung von Durchgangsfahrkarten zu unternehmen, lässt jedoch erhebliche Spielräume zu. Aus Sicht der apf reichen punktuelle Anpassungen des Artikels nicht aus, um die Situation maßgeblich zu verbessern. Daher hat die apf einen vollständig überarbeiteten Vorschlag für Artikel 12 erarbeitet, der die Fahrgastrechte klarer und verbindlicher regeln soll.
Die Eckpunkte des apf-Vorschlags lauten:
Verbindliche Definition: Fahrkarten für aufeinanderfolgende Beförderungen zum Zweck einer durchgehenden Beförderung gelten grundsätzlich als Durchgangsfahrkarten – unabhängig davon, wo oder wie sie erworben wurden.
Haftungsregelungen: Bei einem Kaufvorgang über ein Unternehmen soll die volle Haftung nach den Artikeln 18-20 gelten; bei mehreren Eisenbahnunternehmen kann die Haftung auf 75 % begrenzt werden.
Kombination durch Fahrgäste: Werden Fahrkarten von den buchenden Personen selbst kombiniert, gelten diese nur unter bestimmten Bedingungen (z. B. angemessene Mindestumsteigezeit, Kauf vor Fahrtantritt, Nachweis durch Reservierungen oder Zugbindungen) als Durchgangsfahrkarten.
Klarstellung zur EigentümerInnenstruktur: Eisenbahnunternehmen, die dem- oder derselben EigentümerIn zuzurechnen sind, gelten für die Zwecke des Artikels als ein einziges Eisenbahnunternehmen.
Das Ziel der apf ist es, mit diesem Vorschlag einen Beitrag zu einer praxisnahen und zugleich verbraucherschützenden Neufassung von Artikel 12 zu leisten. Damit soll der Bahnverkehr im grenzüberschreitenden Personenverkehr gegenüber anderen Verkehrsträgern deutlich gestärkt werden.
Der vollständige Vorschlag wurde im Rahmen der öffentlichen Konsultation auf der Plattform der Europäischen Kommission veröffentlicht.