Die Schienen-Control im Europäischen Netzwerk der Eisenbahnregulierungsbehörden (ENRRB)
Die Schienen-Control ist auf europäischer Ebene eng mit anderen Eisenbahnregulierungsbehörden vernetzt und bringt sich aktiv in die Arbeit des European Network of Rail Regulatory Bodies (ENRRB) ein.
Dieses Netzwerk wurde 2013 auf Initiative der Europäischen Kommission gegründet, um die Zusammenarbeit und den Informationsaustausch zwischen den nationalen Regulierungsstellen zu fördern und eine einheitliche Anwendung des europäischen Eisenbahnrechts sicherzustellen.
Gemäß der Richtlinie 2012/34/EU dient das ENRRB als Plattform, um Informationen über Tätigkeiten und Entscheidungspraktiken auszutauschen, die Koordinierung zwischen den nationalen Behörden zu verbessern sowie gemeinsame Prinzipien und Empfehlungen zu entwickeln. Neben der Europäischen Kommission nehmen alle nationalen Regulierungsbehörden regelmäßig an den Sitzungen teil, die in der Regel drei Mal pro Jahr stattfinden.
Zentrale Themen für die Schienen-Control im Rahmen des ENRRB waren 2024 etwa die Umsetzung und mögliche Überarbeitung der Richtlinie 2012/34/EU, insbesondere im Hinblick auf Hochgeschwindigkeitsverkehre, vertikale Integration, Digitalisierung sowie den ökonomischen Gleichgewichtstest gemäß Artikel 11. Auch der Zugang zu Fahrkartenverkaufsplattformen und die künftige Rolle der Regulierungsbehörden im Rahmen der geplanten EU-Kapazitätsverordnung standen im Fokus der Diskussionen.
Mit dem ENRRB besteht heute ein etabliertes Forum, das nicht nur den regelmäßigen Informations- und Erfahrungsaustausch zwischen den nationalen Behörden sicherstellt, sondern auch wesentlich zur Koordinierung von Regulierungsentscheidungen und zur Harmonisierung regulatorischer Praktiken in Europa beiträgt. Die aktive Mitwirkung der Schienen-Control stärkt dabei die österreichische Stimme in der europäischen Regulierungsgemeinschaft und unterstützt die Weiterentwicklung eines fairen, transparenten und wettbewerbsorientierten Eisenbahnmarktes im einheitlichen europäischen Eisenbahnraum.
Im Jahr 2025 fanden zwei ENRRB-Treffen statt. Im Laufe des Jahres wurde auf Herausforderungen im Schienengüterverkehr hingewiesen, der im Wettbewerb mit dem Personenverkehr und anderen Verkehrsträgern weiterhin strukturelle Schwierigkeiten aufweist. Genannt wurden unter anderem rückläufige Transportmengen, Personalknappheit, Investitionsbedarf bei teilweise veralteter Infrastruktur sowie Entwicklungen im kombinierten Verkehr. Die Schienen-Control beteiligte sich aktiv an beiden Sitzungen, unter anderem mit Beiträgen zur Anwendungspraxis des Gleichgewichtstests und zum Entgeltverfahren nach § 68a EisbG.
Die Europäische Kommission informierte über den Fortschritt mehrerer legislativer Initiativen, unter anderem zur Nutzung von Eisenbahninfrastrukturkapazität, digitalen Buchungs- und Ticketingsystemen, zum Hochgeschwindigkeitsverkehr und zu technischen Spezifikationen für die Telematik. Im Jahr 2025 veröffentlichte die Kommission zudem einen Bericht über die Umsetzung der Richtlinie 2012/34/EU sowie eine begleitende Studie zur vertikalen Integration im Eisenbahnsektor.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die künftige Rolle des ENRRB im Rahmen der neuen EU-Kapazitätsverordnung. Nach Inkrafttreten der Verordnung wird das ENRRB erstmals eine Stellungnahme zu den Statuten der neu vorgesehenen European Railway Platform (ERP) sowie zu den von European Network of Infrastructure Managers (ENIM) zu entwickelnden europäischen Rahmenwerken abgeben. Das ENRRB wird künftig von einem Co-Vorsitz aus einer ständigen Vertreterin bzw. einem ständigen Vertreter der Europäischen Kommission und einer rotierenden Vertreterin bzw. einem rotierenden Vertreter aus einer Regulierungsbehörde geleitet. Zur Vorbereitung der neuen Organisationsstruktur wurde noch unter den bestehenden Regeln des ENRRB eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Sie stand unter dem Co-Vorsitz von Schienen-Control, Bundesnetzagentur (Deutschland) und ART (Frankreich) und war beauftragt, die neuen Statuten des Netzwerks zu erarbeiten, mit deren Geltung ab Spätsommer 2026 gerechnet wurde.