Schienen-Control Jahresbericht 2022: Angebotsrekord im Personenverkehr – Güterverkehr unter Druck
Schienen-Control Jahresbericht 2022: Angebotsrekord im Personenverkehr – Güterverkehr unter Druck
Der Jahresbericht der Regulierungsbehörde zeigt einen neuen Angebotsrekord im Personenverkehr. Der Güterverkehr wächst hingegen nur langsam. Die Schienen-Control zieht in ihrem Jahresbericht Bilanz zu den Marktdaten des Personen- und Güterverkehrs in Österreich und den Wettbewerbsverfahren vor der Schienen-Control Kommission.
Der Bericht ist unter: http://www.schienencontrol.gv.at/de/presse1.html abrufbar
Angebotsrekord im Personenverkehr, Güterverkehr mit Nachholbedarf
Im Personenverkehr sind im Jahr 2022 alle Leistungsindikatoren kräftig gestiegen. Der Wachstumstrend der Jahre vor 2020 wurde dadurch fortgesetzt. Im Schienengüterverkehr blieben Güteraufkommen und Verkehrsleistung hingegen weitgehend konstant. Aufgrund eines Fahrgastzuwachses stiegen die zurückgelegten Personenkilometer um mehr als 50 Prozent. Ausschlaggebend dafür war das Auslaufen von Maßnahmen gegen die COVID-19 Pandemie und die daraus resultierende Rückkehr zur Präsenz am Arbeitsplatz bzw. in der Schule. Gleichzeitig wurde das Bahnangebot durch Erweiterungen im Fernverkehr, allgemeine Verdichtungen im Fahrplan und Verlängerungen der Betriebszeiten im Nahverkehr auf Rekordniveau ausgebaut. Die durchschnittliche Fahrtweite pro Fahrgast betrug 43,9km im Jahr 2022 – ein Rekordwert.
Im Schienengüterverkehr zeigten die Marktdaten sowohl bei den gefahrenen Netto- als auch bei den Bruttotonnenkilometern* leichte Zuwachsraten von 1,4 bzw. 2,4 Prozent. Bei den beförderten Nettotonnen wurde 2022 hingegen ein leichter Rückgang um 0,8 Prozent verzeichnet. Der Marktanteil der Rail-Cargo Austria war dabei abermals rückläufig (60,8 Prozent) – jener der Bahnen in Privateigentum erreichte mit 24,7 Prozent einen neuen Höchstwert.
Hervorzuheben ist auch die Beinahe-Verdoppelung der Anzahl von Unternehmen mit Marktanteil von mindestens drei Prozent auf acht (Vorjahr: fünf Unternehmen).
Nach Streckenkategorien betrachtet vergrößerten sich 2022 die Marktanteile der Mitbewerber überall. Hervorzuheben sind in dem Zusammenhang die hohen Marktanteile von jeweils mehr als 50 Prozent auf der Brenner- und der Westachse. Mittlerweile wird also bereits auf zwei der drei österreichischen Haupttransitachsen mehr als die Hälfte aller Bruttotonnenkilometer von Eisenbahnunternehmen außerhalb des ÖBB-Konzerns abgewickelt
Die allgemeine wirtschaftliche Situation gestaltete sich für den Güterverkehr 2022 wechselhaft. Die Hauptindikatoren des Schienengüterverkehrs zeigen für das erste Halbjahr noch Wachstumsraten, im zweiten Halbjahr setzt jedoch Stagnation ein. Für das Gesamtjahr 2022 ergibt sich daraus, dass die Verkehrsleistung (Nettotonnenkilometer, Bruttotonnenkilometer) im niedrigen einstelligen Bereich gesteigert, das Aufkommen (beförderte Nettotonnen) in einem ähnlichen Ausmaß rückläufig war.
Besonders zu kämpfen hat der Güterverkehr in Österreich 2022 mit dem Fachkräftemangel, Engpässen beim verfügbaren Rollmaterial (Triebfahrzeuge und Güterwagen), den hohen Energiepreisen (Bahnstrom) sowie den zahlreichen Baustellen und Umleitungen im In- und Ausland. Diese Faktoren wirken sich maßgeblich auf die Wettbewerbsfähigkeit des Sektors aus. Die gesunkenen Mineralölpreise führen zudem zu einem höheren Verlagerungsdruck in Richtung „Straße“.
Mit 65 Unternehmen waren so viele wie noch nie dazu berechtigt im ÖBB-Netz Züge zu führen. Insgesamt waren im Jahr 2022 86 Eisenbahnunternehmen (Infrastruktur, Integrierte, Verkehrsunternehmen) gemeldet.
Eine Befragung der Eisenbahnunternehmen durch die Schienen-Control ergab eine insgesamt sehr positive Bewertung des österreichischen Marktes. Am besten bewertet wurden die Trassenvergabe, die Sprachkompetenz des Eisenbahnpersonals und die Qualität der Schulungseinrichtungen. Nachholbedarf sah die Branche bei der Konkurrenz durch andere Verkehrsträger, bei EU-weit uneinheitlichen Regelungen zur Erteilung von Sicherheitsbescheinigungen und behördlichen Auflagen im Bereich Personal. Insgesamt wurde der Eisenbahnmarkt im Inland besser benotet als im Ausland.
Regulierungsarbeit für die Eisenbahnunternehmen (Verfahren)
Die Schienen-Control Kommission (SCK) eröffnete im Berichtsjahr 2022 Verfahren aus den Bereichen Serviceeinrichtungen und Serviceleistungen, Wegeentgelte und Zugang zur Eisenbahninfrastruktur und trug damit zur weiteren Liberalisierung des Schienenverkehrsmarktes bei.
Eine wichtige Aufgabe der Schienen-Control ist die Vermittlung bei Trassenkonflikten zwischen dem Infrastrukturbetreiber und den Verkehrsunternehmen. Im Jahr 2022 wurden dazu zwei Verfahren geführt – einerseits konnte dabei der RailJet-Halt in Vöcklabruck sichergestellt werden, andererseits konnten in einem Gespräch zwischen Zulassungsstelle, Regulierungsbehörde und Eisenbahnverkehrsunternehmen Umleitungen vereinbart werden, sodass der Verkehr trotz Baustellen weitergeführt werden konnte.
Die Schienen-Control Kommission führte ein Verfahren zu Verschub-Dienstleistungen in Tirol. Ein Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) brachte vor, dass von ihm begehrte Dienstleistungen vom Servicebetreiber abgelehnt wurden. Die Schienen-Control konnte zwischen dem EVU und dem Servicebetreiber vermitteln und für beide eine zufriedenstellende Lösung finden.
Im Berichtsjahr 2022 führte die Schienen-Control Kommission ein Verfahren betreffend die Stationsentgelte des größten österreichischen Bahnhofsbetreibers. Im Zuge des Verfahrens wurde vom Bahnhofsbetreiber ein Abgrenzungsmodell entwickelt, das die Abgrenzung von Anlagen der Serviceeinrichtungen von jenen des Mindestzugangspaketes regelt.
Ein Verfahren zu Wagenmeisterleistungen ergab, dass eine Ungleichbehandlung der Eisenbahnunternehmen bei Verrechnungsspesen vorlag. Nach einer Prüfung der Schienen-Control Kommission wurde ein Bescheid ausgestellt, der die Entgelte für die Wagenmeisterleistungen für unwirksam erklärte.
Die Schienen-Control Kommission führte ein Verfahren in Bezug auf die für EVU verpflichtende Übermittlung ihrer Zug- und Wagendaten (betriebliche Mindestdaten) an den Eisenbahninfrastrukturbetreiber. Diese Übermittlung war für ein EVU im Schienengüterverkehr mittels Schnittstelle möglich, für andere Marktteilnehmer jedoch nicht. Das Infrastrukturunternehmen stellte im Zuge des Verfahrens die Übernahme der Datenschnittstelle des Mitbewerbers und die diskriminierungsfreie Zurverfügungstellung an alle EVU bis zur Inbetriebnahme eines Nachfolgesystems sicher.