Newsletter der Schienen-Control 02/2024
Jahresbericht der Agentur für Passagier- und Fahrgastrechte
Die Agentur für Passagier- und Fahrgastrechte (apf) setzt sich für Reisende im Bahn-, Fernbus-, Linienschiffs- und Flugverkehr ein. Im Rahmen außergerichtlicher Schlichtungsverfahren verhilft die apf Reisenden kostenlos und provisionsfrei zu ihrem Recht. Sie ist organisatorisch als Abteilung der Schienen-Control GmbH angesiedelt.
Zahlenüberblick 2023
Im Jahr 2023 konnte die apf in ihren Schlichtungsverfahren insgesamt 2,5 Millionen Euro an Entschädigungen, Ausgleichszahlungen und Erstattungen für Reisende in mehr als 5.200 abgeschlossenen Verfahren erwirken. Der größte Anteil, in Höhe von 2,3 Millionen Euro, entfällt dabei auf den Flugsektor. Im Schnitt bedeutet dies für die Fahr- und Fluggäste eine Leistung von 472 Euro pro Verfahrensabschluss.
Je nach Flugentfernung stehen den Reisenden im Flugverkehr Ausgleichszahlungen bei hohen Verspätungen und Flugausfällen zu. Oftmals mussten Reisende die alternative Beförderung selbst bezahlen und wurden nicht ausreichend von den Fluglinien mit Mahlzeiten und Hotel-Übernachtungen betreut. Im Bahnbereich war die apf vermehrt mit Stornierungen falsch gebuchter Fahrscheine, ungerechtfertigten Strafzahlungen und Entschädigungsforderungen bei Leistungsminderungen im Nachtzugverkehr konfrontiert. Noch nie wurden in einem Kalenderjahr mehr Verfahren abgeschlossen – teils unter großem Aufwand. Im Flugbereich ist dieser insbesondere dann groß, wenn seitens einer Fluglinie ein „außergewöhnlicher Umstand“ behauptet wird.
Im Jahr 2023 gingen insgesamt 6.610 schriftliche Schlichtungsanträge bei der apf ein. Aus diesen Anträgen wurden schließlich 4.878 Schlichtungsverfahren eröffnet. Im Schnitt eröffnet die apf dreizehn Schlichtungsverfahren pro Tag. Ein Verfahren bei der apf dauert von der Kontaktaufnahme durch das Online-Schlichtungsformular bis zum Abschluss im Durchschnitt 52 Tage.
Insgesamt verzeichnete die apf im Jahr 2023 5.267 abgeschlossene Schlichtungsverfahren, wobei 4.248 auf den Flug-, 978 auf den Bahn- und 31 auf den Busbereich entfielen.
Erwirtschaftungsrekord im Flugbereich 2023
Die meisten Verfahren wurden im Flugbereich 2023 aufgrund von Annullierungen geführt. Mehr als die Hälfte der Fälle, die bei der apf eingebracht wurden, galten diesem Thema. Verspätungen nehmen mit 38 Prozent den zweithäufigsten Grund für Schlichtungsverfahren ein. Das apf-Team im Flugbereich verzeichnete 2023 auch vermehrt Fälle von verfrühtem Abflug und behaupteten außergewöhnlichen Umständen, die es in den Verfahren durch die Fluglinien nachzuweisen galt.
Lediglich vier Prozent der Verfahren im Flugbereich mussten mangels Einigung geschlossen werden. In 79 Prozent der Fälle wurden von den Fluglinien Leistungen an die Fluggäste erbracht. Die restlichen Verfahren wurden etwa aufgrund von nachgewiesenen „außergewöhnlichen Umständen“ eingestellt.
Hohe Erfolgsquote bei Rekord an Anträgen im Bahnbereich
Von den 978 im Jahr 2023 abgeschlossenen Verfahren im Bahnbereich endeten 96 Prozent mit einer Einigung zwischen der antragstellenden Person und dem Verkehrsunternehmen. Dies stellt erneut eine enorm hohe Erfolgsquote dar und unterstreicht die Expertise und die Lösungskompetenz unseres Teams im Bereich Fahrgastrechte. Im letzten Jahr wurden mehr als 1.300 Anfragen im Bahnbereich an die apf gestellt, so viele wie noch nie zuvor. Die meisten Verfahren im Bahnbereich 2023 bezogen sich auf das Thema „Ticketerstattung“. Darunter waren viele Verfahren zum Erstattungsausschluss bei PDF-Bezug von ÖBB-Tickets. Zudem wurden vermehrt Fälle von Herabstufung, meist in Zusammenhang mit dem Nachtzugverkehr, registriert.
Die überwiegende Mehrheit der Verfahren bezog sich mit 95 Prozent auf die ÖBB-Personenverkehr, gefolgt von der WESTbahn mit ca. zwei Prozent und der One Mobility GmbH (KlimaTicket) mit einem Prozent.
Der vollständige Jahresbericht der apf ist unter https://www.apf.gv.at/de/publikationen.html abrufbar und beinhaltet auch Daten zu Verfahren der Verkehrsträger Bus- und Schiff.
12. Marktbericht von IRG-Rail veröffentlicht
Angebotsseitig lagen die Personenzugkilometer in den 31 untersuchten Ländern 2022 vier Prozent über dem Wert aus 2021, allerdings noch immer zwei Prozent unter dem Wert von 2019. Die in Personenkilometern gemessene Nachfrage befand sich hingegen trotz guter Erholung (plus 52 Prozent gegenüber 2021) sogar zehn Prozent unter dem Niveau des Jahres 2019. Während das Angebot in den vergangenen Jahren beinahe durchgehend aufrechterhalten wurde, hat sich die Nachfrage nach einem massiven Einbruch 2020 erst schrittweise wieder dem Vorkrisenniveau angenähert. Das ist vor allem auf auslaufende Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie zurückzuführen, wobei hiervon insbesondere der Fernverkehr profitiert hat.
Frankreich Bahnland #1 der EU
Sämtliche teilnehmenden Behörden meldeten für das Jahr 2022 im Vergleich zu 2021 einen deutlichen Anstieg des Personenverkehrs. Wie bereits in den Vorjahren weist die Schweiz weiterhin die meisten Personenkilometer pro Einwohnerin und Einwohner auf. An erster Stelle innerhalb der EU steht mittlerweile Frankreich, dicht dahinter folgt Österreich auf Platz Zwei und Schweden auf Platz Drei. Mit den 1.444 je Einwohnerin und Einwohner gefahrenen Bahnkilometern konnte Österreich beinahe wieder an seinen eigenen Bestwert aus dem Jahr 2019 (1.507 Kilometer) anschließen.
Europäischer Güterverkehr noch weitgehend stabil
Der Schienengüterverkehr konnte 2022 bei den gefahrenen Zugkilometern leicht zulegen (plus ein Prozent gegenüber 2021), die Verkehrsleistung (Nettotonnenkilometer) lag dagegen ein Prozent unter dem Vergleichsjahr. Insgesamt wurden 2022 im europäischen Schienengüterverkehr in 30 Ländern rund 463 Milliarden Nettotonnenkilometer erbracht, wobei die Mehrheit der Länder leichte Verluste meldete. Mit 140 Milliarden Nettotonnenkilometern hielt unverändert Deutschland den größten Anteil am Gesamtvolumen, gefolgt von Polen und Frankreich. Österreich lag mit 23,8 Milliarden Nettotonnenkilometern auf dem respektablen fünften Platz. Im Schnitt wurden 48 Prozent der Verkehrsleistung im nationalen Markt vom jeweiligen Incumbent („Staatsbahnen“) erbracht. Die stetig wachsende Gruppe der Privatgüterbahnen hatte hingegen bereits einen Anteil von 37 Prozent. Die restlichen Anteile entfielen auf ausländische Incumbents.
Inflation und Energiekosten führten zu höheren Entgelten für Bahnunternehmen
Die in Europa herrschenden hohen Inflationsraten führten in Kombination mit gegenüber 2020 und 2021 gesunkenen Subventionen des Schienengüterverkehrs im Jahr 2022 dazu, dass die Infrastruktur-Benutzungsentgelte für Eisenbahnverkehrsunternehmen deutlich stärker als die erbrachten Zugkilometer gestiegen sind (im Personenverkehr durchschnittlich um 15 Prozent, im Güterverkehr um 36 Prozent).
Der Krieg Russlands gegen die Ukraine trieb 2022 zudem die Ausgaben der Eisenbahnverkehrsunternehmen für Energie in die Höhe: Beim Strom sind diese (je kWh) um durchschnittlich 34 Prozent angestiegen, Diesel (je Liter) hat sich um 42 Prozent verteuert.
Über IRG-Rail
IRG-Rail wurde im Juni 2011 als Zusammenschluss der europäischen Eisenbahn-Regulierungsbehörden gegründet. Die mittlerweile 31 Mitglieder des Netzwerks haben ihre statistischen Auswertungen für den Bericht zur Verfügung gestellt. Ziel von IRG-Rail ist es, die Kooperation zwischen den Regulierungsbehörden weiter zu stärken und die Schaffung eines einheitlichen, wettbewerbsfähigen, effizienten und nachhaltigen Eisenbahnmarktes in Europa voranzutreiben.
Der vollständige Bericht ist auf der Website von IRG-Rail unter https://irg-rail.eu/irg/documents/market-monitoring abrufbar.
Erlöse der Bahnunternehmen 2022 und gemeinwirtschaftliche Leistungen 2023
Im Herbst 2023 führte die Schienen-Control eine Erhebung der Umsatzzahlen österreichischer Eisenbahnverkehrsunternehmen für das Geschäftsjahr 2022 durch. Die Umsatzzahlen lagen zwar zum dritten Mal in Folge unter jenen von 2019, näherten sich allerdings wieder dem Vorkrisenniveau an. Die Umsätze stiegen beim Großteil der Unternehmen – darunter auch bei der ÖBB-Personenverkehr und der Rail Cargo Austria – gegenüber 2021 an, während gleichzeitig Zahlungen der öffentlichen Hand sowohl für den Güter- als auch für den Personenverkehr geringer ausfielen. Die Summe der um die jeweiligen Förderungen bereinigten Umsätze aller Unternehmen lag 26 Prozent über dem Vergleichswert von 2021. Die Umsätze des Güterverkehrs befanden sich mit drei Prozent nur leicht über dem Vorjahresniveau, die Personenverkehrserlöse legten mit 71 Prozent hingegen beträchtlich zu. Insgesamt betrugen die Umsätze aller Bahnen im Personen- und Güterverkehr 2022 1,78 Milliarden Euro.

Ab Mitte Dezember 2018 wurden die Bestellungen von Leistungen im Personenverkehr des Bundes und der Bundesländer in Bundesländerverträgen zusammengefasst. Im Jahr 2023 bestellte der Bund im Personenverkehr insgesamt 115 Millionen Zugkilometer, eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Der Großteil entfiel auf Leistungen der ÖBB-Personenverkehr im Pendelverkehr. Zusätzlich zu den ÖBB-Bestellungen wurden 13 Millionen Zugkilometer bei anderen Marktteilnehmern bestellt. Verbesserungen im Fernverkehr umfassen neue Verbindungen zwischen Landeshauptstädten und Angebotsverdichtungen. Im Nahverkehr gab es zahlreiche Erweiterungen, was zu über zwei Millionen zusätzlichen Fahrplankilometern führte. Die Ausgaben des Bundes für diese Leistungen stiegen 2023 auf etwa 1,73 Milliarden Euro, wobei der Großteil dem Nahverkehr zugutekam. Die SCHIG übernimmt die Abrechnung und Kontrolle der Verträge zwischen Bund und Eisenbahnverkehrsunternehmen, während andere Gebietskörperschaften zusätzliche Verkehre bestellen können.
Um den Schienengüterverkehr in Österreich zu fördern, hat der Bund 2023 das SGV-Plus Programm eingeführt, bestehend aus Betriebskostenförderung und Wegeentgeltförderung. Diese unterstützen verschiedene Güterverkehrsformen, die aufgrund höherer Kosten im Vergleich zum Straßengüterverkehr öffentliche Unterstützung benötigen. Klassische Betriebskostenförderung wird für Einzelwagenverkehr, Unbegleiteten Kombinierten Verkehr (UKV) und Rollende Landstraße (RoLa) gewährt. Die Förderung variiert je nach Verkehrsart, Containergröße und -gewicht sowie zurückgelegter Entfernung. Der Bund zahlte 2023 insgesamt 125,9 Millionen Euro für SGV-Förderung aus, wobei der Einzelwagenverkehr den größten Anteil erhielt. Zusätzlich zur Betriebskostenförderung wird das Segment "Güterverkehr manipuliert" seit 2020 durch Wegeentgeltförderung unterstützt, wobei die Entgelte für die Schienennutzung teilweise ausgesetzt wurden. Im Jahr 2023 wurden dafür insgesamt 52,1 Millionen Euro bereitgestellt, hauptsächlich für die Rail Cargo Austria und ihre Mitbewerber.
Marktupdate April/Mai 2024
Entwicklungen bei den EVU im österreichischen Markt
Mit dem Osterreiseverkehr und vorübergehend über 30 zusätzlichen Zugverbindungen starteten die ÖBB den Einsatz der neuen, neunteiligen Railjet2-Garnituren (Gesamtkapazität: 532 Sitzplätze). Sie wurden erstmals zwischen Wien und Feldkirch als Verstärker verwendet, weiters begann am 8. April der Einsatz am Brenner (zwei Zugpaare München – Bologna, eines München – Innsbruck). Damit wurden wiederum Fahrzeugkapazitäten frei, die auf der Südstrecke eingesetzt werden können.
Die ÖBB errichtet auf dem Areal des ehemaligen Frachtenbahnhofs Wien-Floridsdorf eine neue Instandhaltungshalle für die ab 2026 erwarteten doppelstöckigen CityJet-Züge in der Ostregion. Durch die Nähe zur ebenfalls neu errichteten Abstellanlage sollen künftig Leerfahrten vermieden werden.
Die ERA hat der DB FV (für PV in AT und DE) sowie der DPB Rail Infra Service (für GV in AT/DE/IT) neue, mehrjährig gültige, einheitliche Sicherheitsbescheinigungen ausgestellt. Außerdem hat sie die Sicherheitsbescheinigung der Rund ums Gleis GmbH für GV in DE, IT und AT aktualisiert. Das EVU fuhr zuletzt Spot-Transitverkehre auf der Pyhrn-Schober-Achse zwischen Passau und Spielfeld-Strass.
Infrastruktur
Das BMK hat dem Stadtbahnprojekt Salzburg (S-Link) am 12. April eine Konzession über 99 Jahre erteilt. Die Konzession gilt für Personenverkehre auf der Strecke Salzburg Lokalbahnhof - Hallein und für mögliche Güterverkehre von der Abzweigung Leube bis Hallein. Der Betrieb soll von den Salzburg Linien Verkehrsbetrieben übernommen werden.
Mit Inbetriebnahme der Koralmbahn im Dezember 2025 wird das Angebot im Fernverkehr auf den inneralpinen Strecken neu geordnet. Per Fahrplanwechsel 2025/26 werden mehrere „InterRegio“-Linien (mittelschnelle neue Fernverkehrszüge im 1-2 Stunden-Takt zur Erschließung alpiner Regionen und zur Optimierung von Anschlüssen zu weiteren Fernverkehren) eingeführt. Dadurch wird sich für viele alpine Regionen die Anbindung im Fernverkehr erheblich verbessern, auf mehreren Relationen wird es neue Direktverbindungen geben (z.B. Graz – Klagenfurt via Aichfeld, Graz – Innsbruck via Ennstal, Graz – Linz via Pyhrn oder Salzburg – Wörgl via Zell/See).
Im Rahmen eines Interreg-Mitteleuropa-Programmes werden von der Raaberbahn am Wochenende bis Ende August zwei bestehende Züge Neusiedl am See – Pamhagen bis Sopron verlängert, die für Fahrradtouristen gedacht sind.
Ab dem Fahrplanwechsel 2024 wird die Tiroler S8 von Hochfilzen bis nach Zell am See verlängert, wodurch zwei bis drei Zugverbindungen pro Stunde angeboten werden können.
Die Schienen-Control begrüßt eine neue Mitarbeiterin
Dr.in Beate Gelbmann unterstützt das Team der Schienen-Control als projektleitende Juristin. Durch ihre Erfahrung aus ihrer Tätigkeit beim Verein für Konsumentinformation (VKI) und diversen Lehraufträgen an Universitäten und Fachhochschulen stellt sie eine ideale Ergänzung für das Team der Schienen-Control dar.