Verkehrsentwicklung im Gesamtnetz

Die Marktbeobachtung zählt unter anderem zu den wesentlichsten Aufgaben der Schienen-Control. Sie leistet einen erheblichen Anteil an der Darstellung und der Analyse des Schienenverkehrsmarktes.

Personenverkehr: Starkes Comeback nach den coronabedingten Einbrüchen 2020

Der Personenverkehrsmarkt hat sich im Jahr 2021 gut von den negativen Entwicklungen im ersten Jahr der COVID-19-Pandemie erholt. Das Mobilitätsangebot war aufgrund der schrittweisen Rückkehr zum Regelfahrplan und dessen gezielter Ausweitung hoch wie nie zuvor. Die Anzahl der Bahnreisenden stieg österreichweit wieder auf 218,7 Millionen Fahrgäste, das entspricht einem Plus von knapp 14 Prozent gegenüber 2020 (192,2 Millionen) – letztlich lag dieser Wert allerdings immer noch rund 30 Prozent unter jenem von 2019. In weiterer Folge sind auch die Personenkilometer stark gewachsen (plus 15 Prozent). Da die Zuwächse im Fernverkehr im Vergleich zum Nahverkehr stärker ausfielen, erhöhte sich die errechnete durchschnittliche Fahrtweite je Fahrgast geringfügig auf knapp 39 Kilometer.

Durch die stärkere Auslastung des Streckennetzes war die Pünktlichkeit aller Personenzüge im Jahr 2021 mit 96,7 Prozent wieder etwas geringer als 2020 (97,2 Prozent). Der Nahverkehr erreichte eine Pünktlichkeit von 97,1 Prozent (2020: 97,5 Prozent), unter Berücksichtigung der spontan ausgefallenen Züge (z. B. Lokschaden während einer Zugfahrt) ergab sich letztendlich ein Wert von 96 Prozent. Auch im Fernverkehr fiel die Pünktlichkeit aufgrund der gestiegenen Zugfrequenz mit 88,6 Prozent geringer aus als noch 2020 (90,2 Prozent).

2021 waren in Summe 15 Eisenbahnunternehmen im Personenverkehr tätig. Die ÖBB-Personenverkehr als größtes österreichisches Bahnunternehmen bleibt bei den Fahrgastzahlen voran: Im Jahr eins nach Ausbruch der Pandemie beförderte sie 187,6 Millionen Fahrgäste (2020: 162,8 Millionen, 2019: 266 Millionen). Der Marktanteil der überwiegend im Nahverkehr tätigen Mitbewerber bei den beförderten Fahrgästen ist mit minus 1,1 Prozentpunkten stärker zurückgegangen als in den Jahren davor.

Wie aus dem zehnten europäischen Marktbericht von IRG-Rail hervorgeht, war Österreich im Krisenjahr 2020 erneut Bahnland Nummer eins innerhalb der Europäischen Union (Anm.: Der Bericht erscheint stets mit einem Jahr Verzögerung). Die 832 je Einwohnerin und Einwohner zurückgelegten Bahnkilometer lagen zwar deutlich unter den 1.507 von 2019, allerdings konnte Österreich damit seine Spitzenposition vor Frankreich (829 Kilometer) und Schweden (783 Kilometer) halten

Schienengüterverkehr: Zuwächse beim Aufkommen und bei der Verkehrsleistung

Spürbar war die Erholung auch im Güterbereich, wo die Indikatoren 2021 primär aufgrund der Entspannung des wirtschaftlichen Umfelds positive Entwicklungen zeigten. Sowohl das Aufkommen (beförderte Nettotonnen) als auch die Verkehrsleistung (Nettotonnenkilometer, Bruttotonnenkilometer) sind im oberen einstelligen Prozentbereich gewachsen. Selbst das Niveau von 2019 wurde damit übertroffen. Einzige Ausnahme waren die Bruttotonnenkilometer. 2021 gab es weiterhin Beschränkungen im internationalen Warenverkehr (u.a. Personalengpässe und mangelnde Verfügbarkeit von Containertragwagen), allerdings wirkten sich diese gegenüber 2020 kaum mehr auf den Güterverkehr aus. Auch regionale Ereignisse beeinflussten die Schienengüterverkehrsaktivität in Österreich: Der nach einer Sanierung wiedereröffnete Karawankentunnel (Teil des Güterkorridors von den Adriahäfen nach Deutschland) hat gewisse Transporte aufgrund der verkürzten Wege auf die Schiene zurückgebracht. Schließlich herrschte auch ein Mangel an Lkw-Fahrer:innen, der die Position der Schiene gegenüber der Straße wieder etwas begünstigt hat.

Von allen im Güterverkehr aktiven Bahnunternehmen hatte die Rail Cargo Austria mit 63,4 Prozent den höchsten Marktanteil bei den Nettotonnenkilometern (2020: 66,9 Prozent). Zusätzlich gab es vier weitere Unternehmen mit Marktanteilen von jeweils mehr als drei Prozent: Die Lokomotion (5,9 Prozent), die TX Logistik Transalpine (fünf Prozent), die Cargo Service (3,9 Prozent) und die Wiener Lokalbahnen Cargo (3,6 Prozent). Die Zahl der Unternehmen mit einem Marktanteil von über 0,1 Prozent lag bei 27 und nimmt seit Jahren zu.

Nach Streckenkategorien des ÖBB-Netzes und gemessen an den Bruttotonnenkilometern vergrößerten sich 2021 die Marktanteile der Mitbewerber überall. Am stärksten ausgeprägt ist der Wettbewerb auf der Brenner- und Westachse, hier erbrachten die Unternehmen außerhalb des ÖBB-Konzerns in Summe bereits 56 bzw. 52 Prozent der gesamten Verkehrsleistung. Mit jeweils über 40 tätigen Unternehmen waren die Weststrecke und die sonstigen internationalen Achsen (z.B. Tauern- und Semmeringstrecke) die von den meisten Unternehmen befahrenen Netzabschnitte im Güterverkehr. Im Wesentlichen findet der komplette Transitgüterverkehr auf den drei genannten Abschnitten statt.

Der gesamte Jahresbericht 2021 ist HIER abrufbar.